WOLGADEUTSCHE ABSTAMMUNG

Vor 250 Jahren am 15. August 1767 kam Konrad Haas im Alter von sechs Jahren zusammen mit seiner Mutter, zwei Schwestern und Stiefvater Kaspar Weigand in Norka an der Wolga an. Seine Mutter Katharina muss den sechs Jahre jüngeren Kaspar erst kurz zuvor geheiratet haben, denn in den Passagierlisten wurde sie noch als Witwe geführt. Die Familie hatte eine lange Reise aus der Grafschaft Isenburg in Hessen hinter sich, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Russland, als die in dem damals vom siebenjährigen Krieg gebeutelten Europa.

Der Eintrag über die Familie Haas-Weigand in Igor Pleves vierbändigem Werk “Einwanderung in das Wolgagebiet 1764-1767”

Nach der Hochzeit mit Maria Elisabeth Wittig zog Konrad nach Pobochnoye/Nebendorf – in eine Kolonie, die ebenfalls von seinen Landsleuten aus Isenburg gegründet wurde. Dort wurde er zum Stammvater aller evangelisch-lutherischen Haas Nachkommen, einschließlich der in den späteren Tochterkolonien Schöndorf und Schönfeld.

Ende des 19. Jahrhunderts, als die von Katharina der Großen der deutschen Bevölkerung zugesicherten Privilegien von Alexander II wieder abgesprochen wurden, begann die Auswanderung nach Nordamerika, die bis etwa 1914 andauerte. Auch ein Teil der Haas Nachkommen ging damals nach Kanada (Wetaskiwin, Alberta) und in die USA (Longmont, Colorado).

Die anderen seiner Nachkommen blieben in Russland zurück und wurden im September 1941 zusammen mit der restlichen wolgadeutschen Bevölkerung nach Sibirien deportiert. Von dort aus zogen sie in den 1980er nach Kasachstan und ab 1991 nach Deutschland.

Zu den Nachkommen der letzten Gruppe gehöre ich – Konrads Ur-ur-ur-ur-urenkelin. Mein Großvater Viktor Haas kam als kleiner Junge in ein Waisenhaus und hatte kaum Informationen zu seinen Wurzeln. Erst 2018 gelang es mir seine direkte väterliche Linie bis zum Erstsiedler Konrad Haas mithilfe von DNA-Genealogie und Archivdokumenten herzustellen. An seinem restlichen Stammbaum, insbesondere dem Zweig seiner Mutter, arbeite ich noch.

Neben der Linie meines Großvaters, habe ich auch zu großen Teilen den Stammbaum meiner katholischen Großmutter Elisabetha Antoni ausbauen können. Ihre Vorfahren stammten aus Beauregard und Katharinenstadt an der Wolga.

Viele Russlanddeutsche, die ich kenne, wissen aber leider kaum etwas über ihre Vorfahren. Vor allem wissen sie nicht, dass es sehr viele gut erhaltene Dokumente wie z.B. Volkszählungen und Kirchenbücher gibt oder wo man diese findet. Einen Vorwurf möchte ich niemanden machen, denn vor 2014 traf dies auch auf mich zu. Deshalb möchte ich neben der Erforschung meiner persönlichen Familiengeschichte, auch Andere für die Ahnenforschung begeistern und Informationen zur Verfügung stellen.

In diesem Bereich findet ihr:

Viel Erfolg bei eurer Suche und vor allem viel Spaß dabei!