GRUNDLAGEN DER GENETISCHEN GENEALOGIE

In diesem Bereich findet ihr Informationen zu den Grundlagen der DNA-Genealogie, angefangen von den Firmen, die DNA-Tests zu Ahnenforschungszwecken anbieten, über die verschiedenen Arten von DNA – autosomale DNA, X-DNA, mtDNA und Y-DNA – bis hin zu den Anwendungstechniken wie Triangulation der DNA-Segmente, Chromosome mapping und Visual Phasing.

Wie die Anwendung der DNA-Genealogie in der Praxis aussieht, kann man HIER nachlesen.

Bevor man jedoch einen DNA-Test macht, sollte man sich Gedanken darüber machen, was man von den Ergebnissen so eines Tests erwartet oder welche Auswirkungen ein DNA-Test auf das spätere Leben haben könnte.

TESTEN ODER NICHT TESTEN?

DAS IST HIER DIE FRAGE…

Meine Antwort darauf könnt ihr euch sicherlich denken, letztendlich muss aber jeder diese Entscheidung für sich selbst treffen.

  • ein DNA-Test kann adoptierten Personen Antworten über ihre biologische Herkunft geben, weil sie in den Datenbanken nahe biologische Verwandte finden können – mittlerweile gibt es dazu unzählige Erfolgsgeschichten wie diese HIER
  • ein DNA-Test kann durch einen Schicksalsschlag getrennte Familien wieder zusammenbringen, z.B. wissen viele jüdische Familien oft nicht, welche ihrer Angehörigen den Zweiten Weltkrieg überlebten und in die USA oder nach Israel auswandern konnten – siehe The DNA Shoah Project
  • sogenannte “tote Punkte” in der Familienforschung könnten überwunden werden
  • durch die DNA-Übereinstimmungen mit entfernten genetischen Verwandten können Abstammungstheorien von weit zurückliegenden Vorfahren bestätigt oder verworfen werden
  • die DNA der Vorfahren kann mithilfe verschiedener Techniken aus den DNA-Daten mehrerer Nachkommen rekonstruiert werden (Chromosome Mapping/Visual Phasing)
  • auf deiner Liste mit genetischen Verwandten könnte mal eine prominente Persönlichkeit auftauchen – auch Nick Carter von den Backstreet Boys ist ein Anwender der DNA-Genealogie und konnte so das Geheimnis um die Identität seiner Großeltern väterlicherseits lüften 🙂
  • und einige wenige von uns könnten eine schier unglaubliche Entdeckung machen, z.B. dass sie bei der Geburt vertauscht wurden; wie in diesem unglaublichen Fall HIER; du könntest auch einen Zwilling finden oder königliche Verwandtschaft
  • ein DNA-Test kann unbekannten Soldaten oder anderen Verstorbenen ihre Identität zurückgeben und ihren Familienangehörigen die letzte Gewissheit – siehe DNA Doe Project
  • deine DNA könnte bei der Aufklärung von Kriminalfällen behilflich sein (in Deutschland wird nicht mit dieser Methode gearbeitet; wer bei GEDmatch oder FTDNA ist, muss als Europäer vorher seine Zustimmung geben)
  • durch einen DNA-Test könntest du mehr über deine genetischen Veranlagungen erfahren und dein Leben z.B. durch angepasste Ernährung und Sport optimieren oder sich bei bestimmten Mutationen beim Arzt gezielter und gründlicher untersuchen lassen, was dir möglicherweise das Leben retten könnte, wie in diesem Fall HIER (die Gesundheitsinformationen werden für deutsche Kunden von den DNA-Firmen nicht zur Verfügung gestellt, doch es gibt natürlich Möglichkeiten dies zu umgehen)

ABER

  • ein DNA-Test kann gut gehütete Familiengeheimnisse ans Licht bringen, wie z.B. Kuckuckskinder
  • eine adoptierte Person könnte von ihrer biologischen Familie abgelehnt werden, weil sie das Ergebnis einer Vergewaltigung oder Inzest ist, wie in diesem Fall HIER
  • jemand könnte entdecken, dass er oder sie mit der Hilfe eines Samenspenders gezeugt wurde, wie in diesem Fall HIER
  • oder dass jemand in der Familie sich vor vielen Jahren dazu entschlossen hatte, eines der Kinder zur Adoption freizugeben
  • du könntest herausfinden, dass ein männliches Mitglied deiner Familie als Sextourist in bestimmten Ländern unterwegs war – die biologischen Kinder der Sextouristen interessieren sich nämlich auch für ihre Wurzeln und können auf der Verwandtschaftslisten von ahnungslosen Familienforschern auftauchen
  • falls es in deiner Familie einen gesuchten Mörder oder Vergewaltiger gibt, könntest du ihn mit deiner DNA verraten – dagegen hätten wohl die wenigsten etwas einzuwenden, aber was ist, wenn man die Liste der gesuchten Personen irgendwann um politische Gegner erweitert? (Damit die Polizeibehörden mit den Daten der europäischen Kunden bei GEDmatch und FTDNA arbeiten können, müssen diese vorher ihre Zustimmung erteilten.)
  • sogar das Pentagon hat inzwischen seine Geheimagenten vor der DNA-Genealogie gewarnt, u.a. weil ihre Tarnung durch ein (entferntes) Familienmitglied auffliegen könnte
  • wenn du dich für einen DNA-Test entscheidest, wird nicht nur deine eigene DNA in den Datenbanken eingespeist, sondern automatisch auch 50% der DNA von deinen Eltern oder Geschwistern – auch ohne ihr Einverständnis, was insbesondere von Datenschützern kritisch gesehen wird
  • ein DNA-Test könnte bestimmte Gruppen von irgendetwas ausgrenzen, z.B. müssen aschkenasische Juden aus der ehemaligen Sowjetunion ihre Herkunft manchmal mit einem DNA-Test beweisen, wenn sie die Möglichkeit einer kostenlosen Reise nach Israel wahrnehmen möchten
  • durch einen DNA-Test könntest du erfahren, dass du die Erbanlagen für eine schlimme Krankheit in dir trägst (die Gesundheitsinformationen werden für deutsche Kunden von den DNA-Firmen nicht zu Verfügung gestellt, doch es gibt natürlich Möglichkeiten dies zu umgehen) und beim Vergleich der DNA-Segmentdaten könntest du erfahren, wer von deinen unbekannten genetischen Verwandten in der Datenbank die gleiche Veranlagung hat
  • wir wissen schlicht und einfach nicht, was in Zukunft noch möglich sein wird – eine Biowaffe, gezielt auf die DNA eines bestimmten Menschen zugeschnitten, oder vielleicht synthetische DNA mit deinen Erbanlagen?

Wie man sieht, kann ein autosomaler DNA-Test unter 100€ das Leben manchmal gehörig durcheinander bringen. Ist ein DNA-Test die Büchse der Pandora? Hast du schon man darüber nachgedacht wie du mit einer unerwarteten Entdeckung umgehen würdest?

Für die einen ist die DNA-Genealogie eine unglaubliche Chance und für die anderen ein unschätzbares Risiko. Deshalb ist eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Thema längst fällig und ich möchte mit meinem Blog einen Beitrag dazu leisten. Natürlich ist mir bewusst, dass ich als jahrelange Anwenderin der DNA-Genealogie in mancher Hinsicht etwas voreingenommen sein mag. Dennoch verfolge ich die Entwicklungen der letzten Jahre auch mit einem kritischen Blick und verschließe die Augen nicht vor den Missbrauchsmöglichkeiten der hochsensiblen DNA-Daten.